Die Diktatur des Glücks

Glück wird zunehmend zur Massenware: Wir konsumieren Glücksratgeber, Glücksbonbons und Glückscoachings. Glück ist inzwischen ein Schulfach. Und natürlich gibt es auch den Weltglückstag. Doch wohin führt uns die ganze Glückssuche – und ist sie gesund?

Frau träumt von glücklicherem Moment

“Bin ich glücklich?” – Pausenlos diese Frage…

Gibt man das Stichwort „Glück“ in der Büchersuche bei Amazon ein, erscheinen über 30.000 Ergebnisse – doppelt so viele, wie noch im Jahr 2010. Überall begegnen uns die Produkte des lukrativen Glücksgeschäfts: Glücksratgeber, Glücksbonbons, Glückscoaching. Nicht nur in Buchhandlungen und Süßwarengeschäften sind wir vom Glück umzingelt. Täglich verbringen wir Deutschen im Schnitt 70 Minuten auf Social-Media-Kanälen, wo uns das vermeintlich glückliche Leben der anderen entgegenspringt. Unausweichlich führt die stetige Konfrontation mit dem Glück zu der Frage: Bin ich selbst glücklich? Und wenn ja: Bin ich glücklich genug?

Klappt das Schmieden des eigenen Glücks? Die Forschung nährt Zweifel

Schon Platon sagte: Wer dauernd über das Glück redet, ist meistens unglücklich. Neue Studien unterstreichen die Beobachtung des antiken Philosophen. So haben Forscher der Yale Universität herausgefunden: Je stärker Menschen nach dem Glück streben, desto weniger finden sie es. Personen, die angaben, dass ihnen ihr persönliches Glück besonders wichtig ist, berichteten in einer Studie von 2011 paradoxerweise über weniger Zufriedenheit und mehr psychische Probleme. Eine weitere Studie zeigt, dass Menschen die besonders fokussiert auf der Suche nach dem Glück sind, sich öfter einsam fühlen. Die Forscher erklären diesen Widerspruch so: Je stärker wir uns etwas wünschen, umso enttäuschter sind wir, wenn wir es nicht bekommen. Je intensiver also das Streben nach Glück, umso heftiger die Enttäuschung, wenn dieses nicht eintritt.

Besonders schwierig: Das Glück erzwingen, wenn eigentlich alles Okay ist

Der Enttäuschungs-Effekt wird maßgeblich durch unsere Lebensumstände beeinflusst. Wenn wir uns in einer ohnehin schwierigen Lebenssituation befinden, fällt es leichter zu akzeptieren, dass wir uns nicht glücklich fühlen. Wenn aber im Leben gerade eigentlich alles in Ordnung ist und sich trotzdem keine Freude und Glück ausbreitet, fehlt die Akzeptanz für das fehlende Glück. In der Folge ist die Enttäuschung umso größer. Einfach ausgedrückt: Unglücklich sein im Traumurlaub am Traumstrand von Thailand ist deutlich schwerer zu verkraften als fehlende Glücksgefühle beim Besuch der geliebten Großmutter im Krankenhaus.

Was genau bedeutet jetzt eigentlich “Glück”?

Viele Menschen sind der Überzeugung, dass Glück bedeutet, das eigene Leben pausenlos als erfüllt, sinnvoll und angenehmen wahrzunehmen. Ein ziemlich hoher Anspruch! Diese Idee von Glück ist rosarot und steht für die ständige Anwesenheit positiver und völlige Abwesenheit negativer Gefühle. Leider passt diese Definition von Glück nicht in unsere Lebensrealität, zu der Tiefschläge genauso wie Höhenflüge gehören. Leidvolle Gefühle wie Trauer, Enttäuschung und Verzweiflung werden immer Teil unseres Lebens sein.

Akzeptiere auch die negativen Gefühle

Folgt man den eben genannten Studien, scheint unser Streben, besonders viele positive Gefühle zu erleben, das eigene Wohlbefinden eher negativ zu beeinflussen. Dabei wäre die genau entgegengesetzte Haltung förderlich: Die Akzeptanz von negativen Gefühlen. Diese Haltung ist auch die Grundlage moderner Psychotherapieansätze wie der Acceptance and Commitment Therapie. So fanden Forscher heraus, dass eine höhere Akzeptanz negativer Gefühle zu geringeren Depressions- und Angstsymptomen führt. Diese Haltung bedeutet nicht, sich seinem Schicksal einfach hinzugeben. Vielmehr wird das Leben in all seinen Facetten, mit Höhen und Tiefen angenommen und entsprechend der eigenen Werte gestaltet.

Glücklich ist, wer ein zufriedenes Leben führt

Natürlich ist das Streben nach Glück nicht per se etwas schlechtes. Euphorische Momente sind wertvoll, genieße sie so oft du kannst! Du kannst auch versuchen, sie gezielt in dein Leben einzubauen oder dir immer wieder bewusst machen, was dich glücklich macht.

Wichtig ist dabei aber, den Unterschied zwischen Glücksmomenten und einem zufriedenen Leben zu erkennen. Zum zufriedenen Leben gehört mehr als nur das Sammeln von Glücksmomenten. Das Annehmen und Überwinden von Krisen und Herausforderungen gibt uns die wertvolle Gewissheit, mit den Wechselfällen des Lebens umgehen zu können. Die gute Nachricht: Auch die Akzeptanz von negativen Gefühlen kann erlernt werden und dich „weiter bringen“ als die nächsten Likes bei Facebook – und so manche sich gut verkaufende Glücksratgeber.

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