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Fakt oder Mythos? – Die acht häufigsten Irrtümer über Depressionen

Depressive Erkrankungen sind weit verbreitet. Fast jeder Vierte ist im Laufe seines Lebens von einer Depression direkt betroffen. Trotzdem kursieren über Depressionen noch immer zahlreiche Mythen, bestimmt kennst du auch einige. Aber was ist wahr, was nicht? Wir haben für dich die acht häufigsten Irrtümer genauer angeschaut.

1. Mythos: „Eine Depression ist keine Krankheit“

Falsch! Eine Depression ist eine ernstzunehmende und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte Erkrankung, von der viele Menschen betroffen sind. Aber natürlich ist ein kurzes Stimmungstief noch kein Grund, sofort zum Arzt zu gehen, denn manchmal traurig oder niedergeschlagen zu sein, ist völlig normal. Wenn die Symptome jedoch sehr stark sind oder über längere Zeit anhalten und auch den Alltag beeinträchtigen, ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu suchen.

2. Mythos: Depressive können einfach aufhören traurig zu sein

Falsch! Dieser Mythos steht in engem Zusammenhang mit Mythos Nummer 1. Der Glaube, mit etwas Anstrengung und Willenskraft könne man eine Depression einfach ablegen, ist leider immer noch weit verbreitet. Auch Tipps, wie „Sieh doch mal die positiven Dinge im Leben!“ oder “Anderen geht es doch sehr viel schlechter!”, sind unangebracht. Sie geben Menschen, die von einer Depression betroffen sind das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden und rufen bei diesen außerdem Schuldgefühle hervor, wodurch es Betroffenen oft noch schlechter geht.

3. Mythos: Depressionen werden vererbt

Das stimmt nur zum Teil. Depressionen können zwar nicht direkt vererbt werden, die Wahrscheinlichkeit zu erkranken aber schon. Ist beispielsweise eine Elternteil betroffen, steigt für jedes Kind die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken um 50 Prozent. Einen großen weiteren Teil machen Faktoren aus, die nicht erblich bedingt sind: zum Beispiel wie wir aufwachsen, unsere Persönlichkeit und Lebenserfahrungen.

4. Mythos: Nur schwache Menschen bekommen eine Depression

Das stimmt nicht! Die Wahrheit ist, Depressionen können jeden treffen, unabhängig von sozialem Status, Einkommen und Geschlecht. Studien weisen darauf hin, dass Menschen, die sehr viel leisten, ein erhöhtes Risiko haben an Depressionen zu erkranken. Ein Grund dafür ist, dass diese Menschen oft sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellen.

5. Mythos: Depressionen müssen immer mit Medikamenten behandelt werden

Falsch! Es gibt Leitlinien, nach denen sich Ärzte und Psychotherapeuten bei der Behandlung von Depressionen richten. Bei einer leichten Depression wird in diesen eine Psychotherapie empfohlen, bei einer mittelgradigen Depression entweder eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten. Hier entscheiden Patient und Arzt oder Therapeut individuell, welche Behandlungsform gewählt wird. Bei schweren Depressionen wird jedoch eine Kombination der beiden Behandlungsmöglichkeiten empfohlen.

6. Mythos: Depressionen sind reine „Kopfsache“

Stimmt nicht! Eine Depression hat neben psychischen auch biologische Ursachen. Wir wissen, dass die Botenstoffe im Gehirn, die normalerweise Informationen von Zelle zu Zelle leiten, während einer depressiven Episode aus dem Gleichgewicht geraten sind. Das kann dann zur Entstehung oder Aufrechterhaltung depressiver Symptome führen. Eine depressive Episode hat nicht nur auch biologische Ursachen, sondern drückt sich auch über biologische Faktoren, wie Schlaf, Appetit, Libido und Gedächtnis aus. So leiden viele Betroffene beispielsweise unter Schlafstörungen und Verlust der Libido.

7. Mythos: Eine depressive Episode wird durch ein Trauma ausgelöst

Nicht unbedingt! Das Risiko, an einer Depression zu erkranken kann durch traumatische Ereignisse, wie den Tod einer nahestehenden Person oder den Verlust der Arbeitsstelle zwar erhöht werden, bei der Entstehung einer Depression spielen allerdings viele verschiedene Faktoren eine Rolle. So ist es auch möglich, völlig unerwartet oder “schleichend” zu erkranken, ohne dass es dafür einen klaren Auslöser gibt.

8. Mythos: Einmal depressiv, immer depressiv

Das stimmt so nicht! Depressionen verlaufen in Episoden, die mindestens zwei Wochen dauern. Dazwischen gibt es auch Zeiträume, in denen es gar keine depressiven Symptome gibt oder in denen die Symptome nicht so stark ausgeprägt sind. Eine chronische Depression, bei der die Symptome über einen Zeitraum von zwei Jahren vorhanden sind, ist sehr selten. Häufiger kommt die sogenannte “rezidivierende depressive Störung” vor. Das bedeutet, die depressiven Episoden treten wiederholt auf, dazwischen liegen jedoch auch immer wieder symptomfreie Zeiträume, die sich über Monate, Jahre oder sogar Jahrzehnte ziehen können. Eine Psychotherapie kann helfen, das Risiko für das Auftreten einer neuen depressiven Episode zu verringern.

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