It’s a hard-knock life? Diese Rapper setzen sich lautstark für psychische Gesundheit ein

Im Oktober 2016 teilte der Rapper Kid Cudi einen emotionalen Beitrag auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Cudi gab bekannt, dass er sich wegen Depressionen und Selbstmordgedanken selbst in eine Reha-Klinik eingewiesen hatte. Seine Nachricht traf eindeutig einen Nerv – ein Jahr später hatte der Beitrag fast 600.000 Likes, 55.000 Kommentare und wurde 137.000 mal geteilt.

Viele Hiphopper rappen jetzt offen über Depression

Die Reaktion auf Cudis Post zeigt eindrucksvoll, welchen Einfluss Rapper auf den öffentlichen Diskurs haben können. Einige der bekanntesten und angesehensten Hip-Hop-Stars haben sich zuletzt mit Depressionen und psychischer Gesundheit auseinandergesetzt. Mit dabei sind Größen wie Kendrick Lamar, Kanye West, und J. Cole. Wir stellen dir drei vor, die sich besonders leidenschaftlich für einen tabufreien Umgang mit psychischen Problemen einsetzen.

1. Jay-Z rappt über seine Therapiesitzungen

Jay-Z rappt über Therapie und Depression

„My therapist said I relapsed“, rappt Jay-Z auf seinem neuen Album „4:44”. In der Promi-Kultur sind Verletzlichkeit und das Bekenntnis von vermeintlicher Schwäche in der Regel tabu. Das idealisierte Bedürfnis nach unerreichbarer Perfektion ist wichtiger und wird ständig über die Medien transportiert. Jay-Z stellt sich dem entgegen und macht deutlich, dass solche Perfektion eine bloße Illusion ist. Wenn ein Superstar, der so erfolgreich und respektiert ist wie er, über seine eigene Therapie spricht, zeigt dies deutlich, dass jeder betroffen sein kann. Außerdem macht er klar, dass es gut ist, über psychische Gesundheit zu sprechen. In seinem öffentlichen Engagement betont er dabei immer wieder, wie hilfreich nach seiner eigenen Erfahrung eine Therapie sein kann. In einem Interview mit der New York Times sagte er: „Diese Erfahrung hat mir sehr geholfen. Alle Emotionen sind miteinander verbunden. Und es gibt bestimmte Gründe und Ursachen für sie. Allein sich dieser Tatsache bewusst zu sein ist ein enormer Vorteil im Alltag.“

2. Die Antilopen Gang rappt über das „Patientenkollektiv”

Die Antilopen Gang rappt über das "Patientenkollektiv"

Auch im deutschsprachigen Rap geht es immer öfter um das Thema psychische Gesundheit. Etwa bei der Antilopen Gang, die dem Thema einen eigenen Song gewidmet hat: Das „Patientenkollektiv”. Hier verarbeitet die Gruppe ihr eigenen Erfahrungen mit Panikattacken, Psychosen und Depressionen – und ein trauriges Kapitel ihrer Band-Geschichte: Den Selbstmord von Gründungsmitglied NMSZ im Jahr 2013. Die Düsseldorfer Band erreicht seit Jahren ein junges Millionenpublikum und verankert so schon bei Jugendlichen, dass psychische Probleme kein Stigma sind, sondern thematisiert werden müssen.

3. Logic gibt Suizidprävention eine Plattform

Der größte Hit des 27-jährigen US-Rappers Logic heißt „1-800-273-8255“ – das ist die Telefonnummer der National Suicide Prevention Lifeline in den USA. „Ich habe diesen Song für alle gemacht, die sich an einem dunklen Ort befinden und das Licht nicht finden können“, schrieb Logic in einem Tweet. Logics Kampagne für Suizidprävention gipfelte in bewegenden Live-Performances bei den MTV Video Music Awards und den Grammys. Bei diesen Auftritten wurde der Rapper von Menschen begleitet, die einen versuchten Suizid überlebt haben – alle trugen T-Shirts mit der Aufschrift „You Are Not Alone“.

Die Anzahl der Anrufe bei der Lifeline stieg nach dem Auftritt bei den MTV Awards um 50%. Nach den Grammys verdreifachten sich die Anrufe. Logic hat erfolgreich einen öffentlichen Diskurs über Selbstmordprävention begonnen und erinnert uns jedes mal daran, wenn sein Lied gespielt wird.

Von Rap als Therapie zu Rap und Therapie

Die Haltung im Hip-Hop war früher oft: Die Musik ist unsere Therapie. Mentale Probleme wurden selten tiefgehend thematisiert. Heute geht der Trend dahin, professionelle Hilfe anzunehmen. Die Angst, dass dies als Schwäche empfunden wird, scheint auch im Rap zu schwinden. Zuletzt fand die TV-Show „The Therapist” viel Aufmerksamkeit. In der Webserie gingen Rap-Stars buchstäblich in Therapie und sprachen mit einem Psychotherapeuten über Themen wie den schwierigen Spagat zwischen dem inneren Privaten und dem Ruhm des öffentlichen Star-Daseins.

Egal wie, wann und wo: Wenn berühmte Stars sich öffentlich zu ihren psychischen Problemen bekennen und darüber reden, hilft das weltweit allen, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Der Einfluss meinungsstarker Rapper kann eine Art Schneeballeffekt auslösen und zu echtem gesellschaftlichen Wandel führen. Die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen gehört ganz oben auf die Agenda. Gut, dass Jay-Z, die Antilopen Gang und Logic mit dazu beitragen.

Bildquellen: Jay-Z – Wikimedia Commons; Antilopen Gang – Pressefoto ©Robert Eikelpoth

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