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Psychotherapie – Wie finde ich sie und was erwartet mich dann?

Wie finde ich die richtige Psychotherapie für mich und was muss ich dabei beachten? Gerade wenn man erst die Entscheidung getroffen hat, überhaupt eine Therapie zu beginnen, kann es anstrengend sein, den richtigen Therapeuten und die passende Therapieform zu finden. Dafür geben wir dir eine Anleitung, Schritt für Schritt, von Anfang bis Ende der Therapie!

Ein Mensch der auf einem Kompass steht und sucht - Wie finde ich einen Psychotherapeuten?

Wusstest du, dass jeder Fünfte in seinem Leben mindestens einmal an einer Depression erkrankt? Für viele Betroffene ist aber unklar, wie sie am besten zu einem passenden Psychotherapie-Platz kommen. Angst vor ewigen Wartezeiten, die Unübersichtlichkeit beim Suchen und jede Menge fachlicher Spezialisierungen, die einem Außenstehenden wenig sagen, machen es auch nicht leichter. Hier erfährst du, wie du am besten an eine Therapie kommst und was dich erwartet.

1. Schritt: Das richtige Psychotherapie-Verfahren finden

Die erste große Herausforderung ist, dass man vorher schon wissen soll, welche Art der Psychotherapie man bevorzugt. Welches Verfahren man auswählen “sollte”, ist typabhängig und hängt auch viel von den Schwierigkeiten ab, mit denen man sich herumschlägt. Das Wichtigste ist also erstmal, die Unterschiede zwischen den drei Verfahren zu verstehen. Mal knapp zusammengefasst:

  • Die Verhaltenstherapie ist die beliebteste Therapieform und zeichnet sich vor allem durch neu erlernte Verhaltensweisen und Denkmuster aus, die einem helfen sollen, besser mit der eigenen Problematik umzugehen. Der Fokus liegt auf dem alltäglichen Leben. Man lernt praktische, konkrete Lösungswege, um besser mit den Situationen umzugehen, die von der eigenen Störung ausgelöst oder negativ beeinflusst werden. Die Dauer der Therapie liegt zwischen 25 – 80 Sitzungen, 1-2 Mal pro Woche.
  • Psychoanalyse ist die älteste Therapieform. Sie basiert auf der Idee, dass Konflikte aus der Vergangenheit unterbewusst verschiedene Schutzmechanismen in uns hervorbringen. Ungelöste Konflikte sollen zu Störungen führen. Durch das Bewusstmachen und Durchleben der früheren Konflikte soll die Störung verarbeitet und überwunden werden. Der Psychotherapeut redet dabei meist sehr wenig. Die Dauer der Therapie liegt zwischen 160 – 300 Sitzungen, 2-3 Mal pro Woche.
  •  Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie ist eine flexible Therapieform. Sie legt, ähnlich wie die Psychoanalyse, den Fokus eher auf den Ursprung und Ursache der Störung. Der zentrale Konflikt soll identifiziert und verstanden werden und dann sollen gemeinsam Lösungen entwickelt werden wie man mit diesen Schwierigkeiten umgehen kann. Die Dauer der Therapie liegt zwischen 25-100 Sitzungen, 1-2 Mal pro Woche.

Glaubst du an einer Depression oder Angststörung zu leiden, empfehlen wir dir eine Verhaltenstherapie zu wählen. Wähle aber das aus, das dich persönlich am meisten anspricht! (Psst: Bist du dir übrigens unsicher, ob du den Unterschied zwischen Psychologen, Psychotherapeuten und Co. kennst?)

2. Schritt: Der richtige Psychotherapeut

Es ist bestimmt leichter, erst nach Therapeuten zu suchen, wenn du dich für ein Verfahren entschieden hast. Je nachdem, ob du privat oder gesetzlich krankenversichert bist, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten für die Psychotherapiesuche. Im Internet finden sich hierfür zahlreiche Datenbanken. Eine Möglichkeit, die vielen Menschen unbekannt ist, ist die Suche in Ambulanzen von Ausbildungsinstituten oder Hochschulen.

Tu dir einen Gefallen und mache dir eine übersichtliche Tabelle. Überlege ob dir etwas besonders wichtig ist: Würdest du zum Beispiel lieber zu einem Mann oder einer Frau gehen? Gibt es noch andere Dinge, die du dir wünschst? Fällt dir nichts ein, auch gut, dann hast du eine größere Auswahl. Vielleicht hilft es dir ja leichter zu entscheiden wen du am liebsten anrufen würdest, wenn du die Vor- und Nachteile so verglichen aufgelistet siehst. So könnte deine Tabelle aussehen (oder auch ganz anders!):

Name Tel. & Adresse Wann kann ich anrufen? Entfernung von Zuhause Online-bewertung Gibt es schon Infos zu Wartezeiten? Mein Bauchgefühl (5/5 Sternen)

Wichtig: Sei in diesem Schritt nicht zu wählerisch. Versuche nicht zu streng anhand einer Webseite oder eines Fotos eine mögliche “Chemie” zwischen euch zu bewerten. Natürlich sollst du deinem Bauchgefühl trauen, aber zum wirklichen Schnuppern sind die Erstgespräche da – und diese sind viel aussagekräftiger.

3. Schritt: Die Kontaktaufnahme

Jetzt kommt das Ansprechen! Nimm dir dafür Zeit. Plane eine Stunde in deinem Kalender ein, wo die meisten Therapeuten erreichbar sind und kontaktiere die Top 5 aus deiner Liste. Lass dich ruhig auf mehrere Wartelisten setzen! So erhöhst du deine Chance, schneller einen Termin zu bekommen und kannst später immer noch bei den Anderen absagen. Wenn du möchtest, kannst du auch mit mehreren Psychotherapeuten ein Erstgespräch machen, um herauszufinden, welcher von ihnen am besten zu dir passt.

Lass dich übrigens nicht von der Wartezeit unterkriegen! Sie ist keine gute Ausrede um die Kontaktaufnahme vor sich her zu schieben. (Und einige kommen auch schnell dran.) Brauchst du noch eine Stütze um die Wartezeit besser auszuhalten? Moodpath begleitet dich, hilft dir deine belastenden Gedanken und Gefühle in deinem Alltag besser zu verstehen und fasst sie in einem Arztbrief zusammen, den du mit zu deinem Erstgespräch nehmen kannst. Das erleichtert dir, und deinem Therapeuten, den Einstieg in das Erstgespräch und gibt dir die Möglichkeit deine Wartezeit währenddessen konstruktiv zu gestalten.

4. Schritt: Das Erstgespräch

Das Erstgespräch ist zum Kennenlernen da. Der Psychotherapeut will dich kennen lernen und sich ein genaues Bild von deinen aktuellen Beschwerden und deren Entwicklung machen. In der Regel könnt ihr euch darüber austauschen, welche Erwartungen du an die Therapie hast und welche Ziele du erreichen möchtest. Natürlich ist die erste Sitzung mit Aufregung und Anspannung verbunden. Trotzdem kannst du versuchen in dich hineinzufühlen, ob es zwischen euch “passt”.

Organisatorische Fragen werden da auch geklärt: Zum Beispiel, wie häufig Sitzungen stattfinden, wie der Therapeut arbeitet und welche Unterlagen du für das „Kostenerstattungsverfahren“ brauchst.

5. Schritt: Die Probesitzungen

Als gesetzlich Versicherter kannst du bei der Verhaltenstherapie und der tiefenpsychologischen Therapie bis zu fünf, bei einer Psychoanalyse bis zu acht Sitzungen „zur Probe“ machen. (Bei privat Versicherten kann die Anzahl variieren.) In den Probesitzungen ordnet der Psychotherapeut deine Beschwerden ein, versucht eine Beziehung zu dir aufzubauen und gibt dir am Ende der Probephase (je nach Verfahren) eine Diagnose, mit der die weiteren Behandlungsschritte geplant werden. Es kann auch vorkommen, dass du dafür einige Fragebögen ausfüllen musst. Als Patient hast du während dieser ersten Sitzungen die Möglichkeit, den Psychotherapeuten nach seinen Methoden, Ansätzen und Arbeitsweisen zu fragen.

Erst am Ende dieser Probephase entscheidest du, ob du dir eine Zusammenarbeit vorstellen kannst. Lass dich nicht bedrängen, falls der Psychotherapeut schon vor Abschluss aller probatorischen Sitzungen eine klare Zu- oder Absage von dir erwartet. Die Entscheidung solltest du mit Bedacht treffen, aber du musst sie nicht begründen.

6. Schritt: Der Antrag bei der Krankenkasse

Sind alle Informationen und Formulare für die Beantragung bei der Krankenkasse vollständig, erstellt der Psychotherapeut in der Regel einen “Bericht an einen Gutachter“. Dieser enthält, ohne Nennung deines Namens, biografische Informationen, sowie Informationen zur Entstehung und zum Verlauf deiner Beschwerden.

Protipp: Rufe an und gehe sicher, dass die Krankenkasse deinen Antrag erhalten hat! Dann hat die Krankenkasse in der Regel fünf Wochen Zeit, um den Antrag zu bewilligen, oder – in wenigen Ausnahmefällen – abzulehnen. Hat sie nach fünf Wochen nicht auf deinen Antrag reagiert, darf der Psychotherapeut, auch ohne Zustimmung der Krankenkasse, mit der Psychotherapie beginnen.

7. Schritt: Während der Psychotherapie

Nach der Entscheidung der Krankenkasse, erhältst du ein Schreiben, mit der Anzahl der bewilligten Therapiesitzungen. Ab diesem Zeitpunkt kannst du mit der Therapie starten. Häufig beginnt die Therapie mit der Festlegung von Zielen, die man gerne im Verlauf erreichen möchte. Bei der Verhaltenstherapie und tiefenpsychologischen Psychotherapie finden Termine in der Regel einmal wöchentlich statt und dauern jeweils 50 Minuten. Bei der Psychoanalyse können bis zu drei Sitzungen wöchentlich angesetzt werden.

Während einer Psychotherapie beschäftigst du dich vermehrt mit Problemen und schwierigen Themen, die negative Gefühle auslösen können. Häufig kommt es vor, dass sich Beschwerden am Anfang der Therapie sogar noch verstärken. Das ist normal. Es ist anstrengend und manchmal beängstigend sich den eigenen Schwierigkeiten zu stellen. Insgesamt sollte dir die Psychotherapie aber Hoffnung und Mut für die Zukunft schenken. Du solltest nach und nach mit einem guten Gefühl in die Sitzungen gehen.

8. Schritt: Änderungen sind erlaubt

Ein vertrauensvolles Verhältnis zum Therapeuten ist die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie. Wenn du also merkst, dass du dich nach den Sitzungen fast immer verzweifelter und hoffnungsloser fühlst als vorher, solltest du das mit deinem Psychotherapeuten besprechen.

Fühlst du dich durch den Psychotherapeuten dauerhaft nicht ernst genommen oder unverstanden, kannst du einen Therapeutenwechsel in Erwägung ziehen. Auch wenn du das Gefühl hast, dass dir der Therapeut Strategien aufdrängt oder dich nicht in die Planung der Behandlung einbezieht, solltest du dies offen ansprechen. Falls dir das nicht geholfen hat, kannst du deinen Psychotherapeuten auch wechseln. In diesen Fällen stellt der neue Therapeut einen erneuten Antrag bei der Krankenkasse, in der dein Wechsel begründet wird.

Du darfst auch die Psychotherapie jederzeit beenden – auch wenn noch nicht alle bewilligten Therapiesitzungen „aufgebraucht“ sind. Es ist je nach Situation sogar sinnvoll, die Therapie dann zu beenden, wenn du deine Therapie-Ziele erreicht hast.

9. Schritt: Das Ende der Therapie

Zum Ende der Therapie arbeitest du üblicherweise daran, wie du zukünftig in schwierigen Situationen reagieren und einen Rückfall verhindern kannst. Oft ist der Psychotherapeut zu einer vertrauten Person geworden. Daher ist die Vorstellung, sich endgültig voneinander zu verabschieden, für viele Menschen schwer. Es ist wichtig, dass auch diese Abschiedsgefühle zur Sprache kommen.

Stellst du in Absprache mit deinem Therapeuten fest, dass du weitere Sitzungen brauchst, kann ein „Verlängerungsantrag“ gestellt werden.

  • Verhaltenstherapie: auf bis zu 80 Stunden verlängern
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: auf bis zu 100 Stunden verlängern
  • Psychoanalyse: auf bis zu 300 Stunden verlängern

Es herrscht das hartnäckige Gerücht, dass eine Frist von zwei Jahren eingehalten werden muss, bevor eine erneute Psychotherapie begonnen werden kann. Das stimmt nicht!

Allgemein gilt natürlich, dass eine Psychotherapie nicht als konstante Begleitung in deinem Leben vorgesehen ist. Sie sollte zeitlich begrenzt sein und dir die Werkzeuge an die Hand geben, die du brauchst um dein Leben alleine zu bewältigen.

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