Der Unterschied zwischen Burnout und Depression

Sind es letzten Endes zwei Namen für ein und dasselbe? „Burnout ist doch nur der Modebegriff für Depressionen“, so ein gängiger Vorwurf seitens der Medien und der skeptischen Bevölkerung. Tatsächlich ist Burnout ein relativ neuartiges Beschwerdebild, über das in den 1970er Jahren erstmalig öffentlich gesprochen wurde. Der Begriff tauchte im Zusammenhang mit Pflegeberufen auf. Vor […]

Burnout und Depression - Unterschiede und Gemeinsamkeiten

„Burnout ist doch nur der Modebegriff für Depressionen“, so ein gängiger Vorwurf seitens der Medien und der skeptischen Bevölkerung. Tatsächlich ist Burnout ein relativ neuartiges Beschwerdebild, über das in den 1970er Jahren erstmalig öffentlich gesprochen wurde. Der Begriff tauchte im Zusammenhang mit Pflegeberufen auf. Vor allem Menschen in der sozialen Arbeit schienen anfällig dafür zu sein, aufgrund ihrer extremen Arbeitsbelastung „auszubrennen“, keine Kraft mehr zu haben und in tiefe Erschöpfung zu fallen. Heute wird Burnout auch oft „Manager-Krankheit“ genannt. Was ist jedoch am Vorwurf dran? Ist Burnout wirklich eine Modeerscheinung und letztlich eine versteckte Depression?

Ein Burnout ist keine eigenständige Krankheit

Tatsächlich kann sich hinter einem Burnout eine Depression verstecken. Burnout klinge einfach besser und sei mit dem Selbstbild der Betroffenen besser zu vereinbaren, so Fachleute. Schließlich deutet der Begriff darauf hin, dass man vorher viel geleistet hat. Dahingegen wird eine Depression von vielen Menschen mit Schwäche in Verbindung gebracht. Dabei ähneln sich die Risikofaktoren für Burnout und Depression stark.

Ein eigenständiges medizinisches Krankheitsbild ist ein Burnout jedoch nicht. Im Diagnostik-Katalag der Ärzte und Psychotherapeuten taucht diese „Krankheit“ nicht auf. Es ist lediglich eine Zusatzdiagnose, die oft in Kombination mit einer Erkrankung gestellt wird. Das liegt daran, dass die Krankheitszeichen von Burnout nicht eindeutig definiert sind. Man kann aufgrund einer Zusatzdiagnose zwar arbeitsunfähig geschrieben werden, doch eine Krankheit hat man deswegen nicht.

Die offizielle Definition von Burnout lautet „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung inklusive Ausgebranntsein [Burn-out]“

Weitere Beispiele für Zusatzdiagnosen sind „Liebeskummer“ oder „Lärm auf der Arbeit“. Lebenskrisen oder außerordentliche Belastungen sind jedoch keine psychischen Störungen. Erst wenn eine Person aufgrund dieser Belastungen etwa eine Depression entwickelt, wird eine Krankheitsdiagnose und meist auch eine Therapie nötig. Bei einer Person mit drohendem Burnout kann eine Woche Urlaub Wunder wirken, während Urlaub für einen Menschen, der in einer depressiven Episode steckt, die Symptome sogar verschlimmern kann.

Zusatzdiagnosen rechtfertigen keine Psychotherapie. Erst wenn sich ein Burnout zum Beispiel in eine Depression entwickelt, wird eine Behandlung notwendig.

Oft wird die Zusatzdiagnose Burnout in Kombination mit einer Depression gestellt. In dem Fall ist die Depression der Grund für eine therapeutische Behandlung. In anderen Fällen ist das Burnout-Syndrom auf eine Anpassungsstörung zurückzuführen, die eine Therapie notwendig macht.

Anders als bei der Depression liegt beim Burnout der Fokus auf den Ursachen

Wie lässt sich ein Burnout von einer reinen Depression abgrenzen? Anders als beim Burnout sind die Symptome einer Depression klar definiert. Sie sind international dieselben. Bei der Diagnose einer Depression beruft sich ein Arzt oder Psychotherapeut allein auf die Symptome des Patienten. Ursachen für die Erkrankung werden in einer Psychotherapie zwar Thema, ändern jedoch nichts am Krankheitsbild Depression selbst.

Bei einem Burnout rückt der Kontext in den Vordergrund. Eine Depression kann auch kontextfrei diagnostiziert werden.

Beim Burnout steht im Mittelpunkt, woher die Erschöpfung kommt. Der Kontext wird zentral. So können die einzelnen Phasen der zunehmenden Erschöpfung auch als Erklärungsmodell für die Entstehung der Erkrankung angesehen werden. Wenn die Ursachen für die tiefe Erschöpfung in dauerhafter Verausgabung und Überbelastung liegen, sprechen einige Fachleute heutzutage lieber von Burnout als von Depression.

Ursachen sollten bei der Diagnose von Krankheiten keine Rolle spielen

Sich bei der Diagnose auf Ursachen zu berufen, ist jedoch problematisch: Die Internationale Klassifikation von Krankheiten (ICD) beschreibt psychische Erkrankungen einzig anhand messbarer Symptome. Ursachen haben zwar eine enorme Bedeutung in Bezug auf Prävention und die Vermeidung von Rückfällen, doch im Moment der Diagnosestellung erfüllen sie keinen Zweck und sind oft sogar hinderlich. Sie sind nicht so objektiv messbar wie Symptome. Hinzu kommt, dass eindeutige Aussagen zu Ursache und Wirkung oftmals nicht getroffen werden können. Die Forschung stellt sich diese Fragen kontinuierlich. Außerdem werden während einer Psychotherapie oft erst nach und nach mögliche Ursachen für die Erkrankung erarbeitet.

Ein Beispiel aus der Medizin mag verdeutlichen, dass Ursachen bei der Diagnose keine Aussagekraft haben: Ärzte diagnostizieren Lungenkrebs anhand von Symptomen, die Krankheit ist objektiv messbar. Ob der Tumor durch Rauchen entstanden ist oder andere Ursachen hat, ist für die Diagnose selbst irrelevant.

Ein Burnout ist nicht eingebildet

Obwohl es eine reine Burnout-Diagnose nicht gibt, bedeutet das keineswegs, dass Betroffene sich ihr Leiden einbilden. Die Beschwerden von Burnout-Patienten sind sehr real und zeigen sich in einem wiedererkennbaren Muster. Doch die Haupt-Diagnose trägt einen anderen Namen – oftmals Depression. Der Begriff Burnout kann als ergänzende Erklärung dienen, wie die Erschöpfung entstanden ist.

Ein Burnout wird oft in Kombination mit einer Depression diagnostiziert. Doch die Besonderheiten von Burnout treffen nicht auf jeden Menschen mit einer Depression zu.

Um zu verstehen, wie sich die Krankheit entwickeln konnte, lohnt sich ein Blick auf die Besonderheiten von Burnout. Während eine Depression sowohl langsam als auch plötzlich und scheinbar grundlos entstehen kann, entwickelt sich ein Burnout-Syndrom meist schleichend. Eine von Burnout betroffene Person durchlebt oft typische, aufeinander aufbauende Phasen. Manche Forscher beschreiben den Verlauf der Erschöpfung in drei Stufen, andere wiederum unterscheiden sechs Stufen.

Die Stufen des Burnout: Es bahnt sich langsam an und gipfelt in totaler Erschöpfung

Auslöser für den Burnout-Prozess ist meist eine Phase, in welcher Betroffene ein Übermaß an Energie einsetzen. Das kann am Arbeitsplatz, aber auch in der Pflege Angehöriger, in der Kindererziehung oder im Schulalltag sein. Der Grund kann, muss aber nicht, Idealismus sein: Man „brennt“ für eine Sache und setzt seine gesamte Energie dafür ein. Hinter dem erhöhten Energieeinsatz können jedoch auch Angst und Sorge stehen: Angst vor einer Kündigung oder Angst, in der Schule nicht versetzt zu werden. In dieser ersten Phase der Überforderung wird das drohende Burnout selten erkannt. Wenn jemand in seiner Freizeit jedoch nur sehr schwer abschaltet, kann das als Warnsignal angesehen werden.

Auf die Anstrengung folgt Ohnmacht

Vor allem, wenn über einen längeren Zeitraum Belohnungen ausbleiben, geht der Eifer irgendwann in Frustration über. Das Engagement schwindet, die Erwartungshaltung an die Umwelt wächst. Oft entwickeln Betroffene einen regelrechten Widerwillen gegen ihre Aufgaben. Dieser Zustand kommt oft einer „inneren Kündigung“ gleich – man macht nur noch Dienst nach Vorschrift und beginnt zu resignieren. Die Arbeit wird zur Routine und erscheint einem sinnlos. Betroffene stumpfen emotional ab, werden zynisch und weniger feinfühlig gegenüber Mitmenschen.

Ein Warnzeichen in sozialen Berufen: Wenn Krankenpfleger oder Lehrer die Probleme von Patienten oder Schülern nicht mehr an sich herankommen lassen.

Emotional reagieren Burnout-Betroffene entweder mit Aggression gegen die Umwelt, oder sie suchen die Gründe bei sich selbst. Im letzten Fall kommt es zu Symptomen wie bei einer Depression: Man fühlt sich innerlich leer, niedergeschlagen, pessimistisch.

Auf Antriebslosigkeit und Gleichgültigkeit folgt Verzweiflung

Mit der Motivation sinkt außerdem die Leistungsbereitschaft der Betroffenen. Sie können sich schlechter konzentrieren, machen mehr Fehler, sind weniger kreativ und können ihren Alltag oft nicht mehr bewältigen. Betroffene können keine Entscheidungen mehr fällen und werden zunehmend gleichgültig. Auch sozial ziehen sich ausgezehrte Menschen zurück und vernachlässigen Hobbys. Langeweile und Antriebslosigkeit setzen ein.

Körperliche Beschwerden gehen mit den psychischen häufig einher. Typisch sind Rücken- oder Kopfschmerzen, auch Herz- oder Verdauungsprobleme, Schlafstörungen, Albträume und sexuelle Probleme. Im finalen Burnout-Stadium entwickelt sich die Ohnmacht letztendlich zu einer allgemeinen Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Man fühlt sich im wahrsten Sinne des Wortes „ausgebrannt“.

Am Ende des Burnouts steht oft eine Depression

Wer das letzte Stadium des Burnouts erreicht, ist meist in eine Depression gerutscht. Das Gefühl tiefer Erschöpfung ist typisch für eine Depression. Die drei Kernsymptome für eine Depression sind Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und mangelnder Antrieb. Diese Krankheitszeichen lassen sich auch bei einem fortgeschrittenen Burnout beobachten. Auch Zusatzsymptome von Depression können bei Burnout-Betroffenen auftreten – so etwa Schlafstörungen, Konzentrationsmangel, Suizidgedanken, Pessimismus oder verringertes Selbstvertrauen.

Als Zusatzdiagnose kann das Burnout-Syndrom hilfreich sein

Wenn der Begriff Burnout übermäßig gebraucht wird, besteht die Gefahr, die Diagnose Depression zu verwässern. Gleichzeitig bringt die Zusatzdiagnose auch Vorteile: Oft ist es für Menschen einfacher, sich einzugestehen, ein Burnout zu erleiden als eine Depression. Schließlich deutet das auf viel Arbeit und Einsatz hin. Für Betroffene kann die Zusatzdiagnose hilfreich und entlastend sein. Darüber hinaus sendet die hohe Verbreitung des Burnout-Syndroms ein unüberhörbares Warnsignal in Richtung Arbeitswelt: Eine zu hohe Arbeitsbelastung ist eine wichtige Ursache für Depression.

Weil Burnout-Ursachen oft mit dem Arbeitsleben zusammenhängen, achten heutzutage viele Unternehmen auf eine gute Work-Life-Balance von Mitarbeitern.

Die Zusatzdiagnose Burnout sollte das Beschwerdebild einer Depression jedoch nicht verwässern oder übertönen. Für die Zukunft wäre es vielmehr wünschenswert, dass eine Depression dieselbe Akzeptanz und Berechtigung erlangt wie ein Burnout. Denn Modebegriff hin oder her – vor allem im letzten Burnout-Stadium sind beide Beschwerdebilder kaum voneinander zu unterscheiden. Daher sind die Anzeichen immer ernst zu nehmen – unabhängig davon, wie sie auf dem Papier genannt werden. Den Beschwerden sollte entgegengewirkt werden. Es gibt wirksame Therapie-Angebote, die Betroffenen helfen, Wege aus der Verzweiflung zu finden. Bestandteil einer Psychotherapie bei Betroffenen von Burnout sind vor allem Konflikt- und Stressbewältigung, Selbstmanagement, Entspannungstrainings und die Stärkung des Selbstbewusstseins.

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