Die Wissenschaft und Forschung hinter Moodpath

Zahlreiche Studien belegen, dass digitale Technologien dazu beitragen können, psychische Krankheiten zu erkennen und das emotionale Wohlempfinden von Betroffenen zu verbessern. Vor diesem Hintergrund haben wir Moodpath in enger Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Arbeitsbereichs für Klinisch-Psychologische Intervention an der Freien Universität Berlin entwickelt.

Unsere Berater aus Wissenschaft und Praxis

Prof. Thomas Kubiak

Forschungspartner - Gesundheitspsychologie

Professor für Gesundheitspsychologie JGU Mainz

Forschungsschwerpunkte: Ambulantes Monitoring und Selbstmanagement

Dr. Sabine Hoffmann

Praxispartner - 
stationäre Psychotherapie

Leitende Psychologin, 
Theodor-Wenzel-Werk e.V.

Dozentin

Dipl.-Psych. Daniel Bents

Praxispartner - ambulante Psychotherapie

Institutsleiter, Institut für Verhaltenstherapie Berlin

Supervisor

Freie Universität Berlin

Forschungspartner - Klinische Psychologie

AG Klinisch-psychologische Intervention

Forschungsschwerpunkte: Online-Therapie Forschung


Wie kann das Smartphone zu einer Diagnose beitragen?

Digital Mental Health geht von der Überzeugung aus, dass Technologie eine entscheidende Rolle bei der Erkennung und Behandlung psychischer Krankheiten spielen kann. Die Nähe des Smartphones zum Menschen kann dazu beitragen, die Anwendung wissenschaftlicher Methoden zur Arbeit am Menschen zu unterstützen. Mithilfe des Smartphones können Daten aus dem Alltag effizient nutzbar gemacht werden, um Stimmungslagen so treffsicher und genau wie möglich zu verfolgen. Digitale Technologie dient somit als Stütze und Gedächtniserweiterung, um Stimmungsverlauf und Verhalten unabhängig von Ort und Zeit über einen längeren Zeitraum realitätsnah zu dokumentieren. Aus dieser Vision heraus entwickeln wir mobile Technologien, die wissenschaftlich fundierte Diagnose-Verfahren ins digitale Zeitalter heben. Für die Zukunft der psychologischen Diagnostik bieten außerdem passive Daten, die durch Smartphone-Sensorik erhoben werden, ein enormes Potenzial. Wir sehen es als Herausforderung, dieses zukünftig zu nutzen.


Wissenschaftlich fundiertes Screening-Verfahren nach internationalen Standards

In Kooperation mit dem Arbeitsbereich für Klinisch-Psychologische Intervention der Freien Universität Berlin haben wir ein Screening-Verfahren zur Messung von Depressionssymptomen entwickelt, welches Smartphones in die Erhebung belastbarer Daten bestmöglich einbezieht. Die Erhebung der psychopathologischen Belastung erfolgt mit einem Fragebogenverfahren, das speziell auf Smartphone-Nutzerverhalten zugeschnitten ist. Ausgehend von etablierten Fragebögen zur Messung depressiver Symptome haben wir ein Erhebungsverfahren entwickelt, das neben Kern- und Zusatzsymptomen einer Depression nach ICD-10 weitere Beschwerden abfragt, um gemäß des AMDP-Systems ein umfassendes klinisches Bild der Person zu ermöglichen. Auf diese Weise prüfen wir differentialdiagnostisch relevante Kriterien, um einen umfassenderen Befund zu ermöglichen und Hinweise auf weiterführende diagnostische Untersuchungen zu geben. 

Mit dem Arbeitsbereich für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Freien Universität Berlin und den Abteilungen Psychiatrie und Psychotherapie I & II der Kliniken im Theodor-Wenzel-Werk haben wir eine Validierungsstudie durchgeführt. In der Studie haben wir geprüft, ob eine Smartphone-basierte Erhebung von Depressionssymptomen mit den Befunden herkömmlicher Fragebögen zur Messung von Depression korreliert. Gegenstand der Untersuchung waren fernerhin die Kompatibilität der App-Nutzung mit dem Alltag sowie mögliche Risiken und Nebenwirkungen.


Adaptiver Algorithmus

Speziell für Smartphones haben wir ein dynamisches Screening-Verfahren entwickelt, das flexibel auf das Antwortverhalten des Benutzers reagiert. Verpasst der Benutzer etwa eine Frage, passt sich das System dank eines adaptiven Algorithmus an und erstellt einen neuen Plan, um eine aussagekräftige Auswertung zu garantieren. Falls ein bestimmtes Symptom vorliegt, fragt die App zusätzlich danach, wie schwer die Belastung wiegt. Anhand einer Skala von 1 bis 5 bestimmen wir auf diese Weise den Schweregrad möglicher Symptome einer Depression.


Das Smartphone ermöglicht eine belastbare Verlaufsdiagnostik

Einmal-Fragebögen zur psychischen Selbstauskunft bringen ein Problem mit sich: Sie bleiben immer eine Momentaufnahme. Unsere Erinnerung ist immer durch den Moment beeinflusst, an dem wir uns erinnern. Abhängig von Situation, Kontext und Gemütszustand aktivieren wir zu einem bestimmten Zeitpunkt jeweils nur bestimmte Erinnerungen. Andere Erinnerungen verblassen zeitweise oder werden gar verfälscht. Das Problem der kognitiven Verzerrung macht es bei Einmal-Fragebögen schwer, Verläufe darzustellen und belastbare Aussagen über eine Rückfallgefahr zu treffen.

Dieser Schwierigkeit wirken wir entgegen, indem wir über eine punktuelle Bestandsaufnahme hinausgehen. In einem naturalistischen, ambulanten Assessment beantwortet der App-Benutzer über einen Zeitraum von 14 Tagen drei Mal täglich Fragen zu seinem akuten psychischen Wohlbefinden. Eine derartige Frequenz und Kontinuität der Erfassung gewährleistet eine möglichst genaue Abrufbarkeit der Ergebnisse. Dadurch wird das App-Screening zu einer belastbaren Selbstauskunft, die Erinnerungsverzerrungen minimiert. Benutzer erhalten nach der 14-tägigen Erhebungsphase eine entscheidungsrelevante Auswertung. Sortiert nach Einzelsymptomen geben die Daten Aufschluss über Vorliegen und Schweregrad jedes einzelnen Symptoms einer Depression, über tageszeitbedingte Stimmungsschwankungen sowie über den Stimmungsverlauf während des 14-tägigen Erhebungszeitraums.


Moodpath zur Unterstützung für Ärzte und Therapeuten

Moodpath ersetzt selbstverständlich nicht die Diagnose eines Arztes oder Psychotherapeuten. Der klinische Eindruck eines qualifizierten Arztes oder Psychotherapeuten ist unverzichtbar, zumal viele Symptome nur durch eine Fremdeinschätzung zuverlässig festzustellen sind. Moodpath stellt eine fundierte Auswertung zur Verfügung, die feststellt, ob und zu welchem Schweregrad depressive Symptome vorliegen. Betroffenen liefert die Auswertung aufgrund des langen Erhebungszeitraums eine zuverlässigere Einschätzung als andere Selbsttests. Für Behandler wiederum kann Moodpath eine Stütze bei Verlaufserhebung, Differentialdiagnostik sowie Rückfallprophylaxe sein.